Es muss nicht immer nur die „Cloud“ sein…
Wer heute mit dem CEO einer kleineren oder auch größeren IT-Firma redet, der wird in einem derartigen Gespräch ein Thema wohl kaum vermeiden können (außer der Interviewer frönt dem gleichen Hobby wie der Interviewpartner – was für ein Interview aber häufig wenig zielführend sein dürfte
): die sogenannte Cloud oder auch das Cloud-Computing. Umso angenehmer, wenn man wie ich die Gelegenheit erhielt, mit einem ausgewiesenem Profi im IT-Geschäft zu reden, der absolut nicht der Meinung ist, dass die Cloud die Lösung aller Probleme der IT ist.
Ende Oktober hatte ich die Gelegenheit, bei einem Termin direkt in der Münchener City Walter Scott, den CEO (Chief Excecutive Officer) der Firma GFI, zu treffen. Vielen IT-Profis wird die Softwarefirma GFI vor allen Dingen noch von ihren Fax-Servern her bekannt sein, aber das Portfolio dieses Anbieters hat sich doch deutlich weiterentwickelt:
So versteht man sich – nach eigener Beschreibung – heute vor allen Dingen als ein Anbieter, der Lösungen in den Bereichen Netzwerk- und Inhaltssicherheit sowie ganz allgemein Kommunikation bereitstellt.

Auch Walter Scott, der Chef dieses Unternehmens, ist kein unbeschriebenes Blatt in unserer Branche: Als früherer CEO von Acronis, eine Firma die vielen Anwendern allein durch ihre Software True Image bekannt sein dürfte, war schon zuvor im Softwaregeschäft tätig. Davor konnte er sehr erfolgreich die Firma Imceda Software (die sich mit Backup- und Recovery-Werkzeugen für Microsofts SQL Server beschäftigte) an Quest Software verkaufen.
Und mit Zu- und Verkäufen ist er auch heute noch beschäftigt, allerdings ist es mittlerweile seine Firma GFI, die andere Softwareanbieter aufkauft und in den eigenen Betrieb integriert. War es im Sommer erst der Remote-Monitoring und Remote-Management-Spezialist „HoundDog“, so konnte er bei diesem Treffen mit Katharion über eine weitere Softwarefirma berichten, die von seiner Firma übernommen wurde.
So bezog sich dann auch ein Teil unseres Gesprächs auf einen dieser Käufe, nämlich auf Katharion. Laut Scott passt diese Firma nahezu perfekt zu den Produkten, die GFI bisher schon vertreibt: Die Bereich E-Mail-Filtern und Sicherheit für Netzwerke werden auf den Servern der Anwender bereits durch Lösungen von GFI abgedeckt. Mit dem Kauf von Katharion kommen nun Lösungen hinzu, die das sogenannte „host-based filtering“ der E-Mails erlauben.
Genau in diesem Zusammenhang drehte sich das Gespräch dann in eine Richtung, die unweigerlich die Begriffe „Cloud“ und „Cloud-Computing“ beinhalten musste. Zunächst einmal hatten wir aber zu klären, wie die Firma denn den gern zitierten Mittelstand definiert, in dem sie nach eigenen Angaben ihr ausgewiesenes Marktsegment sieht. Walter Scott nannte ein Firmengröße von 500 Mitarbeitern und mehr, wenn es um seine Definition von „Small and Medium Business“ geht.
Damit liegt er mit seiner Definition sicher über der vieler kleinerer Firmen, die sich gerade in Deutschland selbst durchaus zum Mittelstand zählen, hat aber auch eine Zielgruppe definiert, die ohne Zweifel eine professionell betriebene IT mit den entsprechenden Mitarbeitern ihr eigen nennt.
Auf der Frage ob sich GFI mit diesem neuen Bereich der gehosteten Lösung nicht selber Konkurrenz macht und sich der Geschäftsbereich seiner Firma „in die Wolke“ verschiebt, hatte Scott differenzierte Antworten zu bieten. So sieht seine Lösung für eine mittelständische Firma weder eine reine Hosting-Lösung noch eine ausschließliche Filterung der Nachrichten vor Ort vor.
„Im Idealfall kann eine Firma beide Ansätze nutzen – beispielsweise eine Anti-Spam-Appliance vor Ort im eigenen Rechenzentrum und zudem eine Filterung der Nachrichten durch einen entsprechenden gehosteten Dienst“, fasste er seine Vorstellungen zusammen. Dabei hob er die Vorteile der gehosteten Dienste hervor, die es nach seinen Aussagen den Unternehmen ermöglichen sollen, SPAM-Mails, die bei vielen Unternehmen nach den Erfahrungen von GFI bis zu 90 Prozent der Nachrichten ausmachen, schon auszufiltern, bevor sie überhaupt die eigene IT erreichen.
Er hob außerdem hervor, dass seine Firma für diese Dienste Rechenzentren direkt in Deutschland betreibt, denn „nur so können wir das Vertrauen unserer Kunden in derartige Lösungen gewinnen“. Schließlich war es Walter Scott in diesem Zusammenhang noch ein Anliegen, ein weiteres Werkzeug seiner Firma vorzustellen, das ebenfalls zum Umfeld der „Managed Services“ gehört.
Mit „GFI Max“ stellt der Anbieter ein Tool zur Verfügung, das primär für den Einsatz bei Anbietern von verwalteten IT-Dienstleistungen (MSP – Manged Service Provider), Support-Dienstleister und Valued-Added Reseller (VAR) gedacht. Diese aus der Übernahme der Firma „HoundDog“ stammende Lösung soll es dieser Gruppe von IT-Profis ermöglichen, die Ressourcen und Systeme ihrer Kunden weitaus besser und effizienter zu überwachen. So soll es möglich sein, beispielsweise auch möglich sein innerhalb dieses einen Werkzeugs so unterschiedliche Bereiche wie die Webseiten seiner Kunden aber auch deren RAID-Arrays, ISP-Anbindungen oder gar Niederlassungen in den Griff zu bekommen.
Dieses interessante Werkzeug werden wir (Thomas und ich) sicher noch einmal genauer betrachten und dann in einem Praxisbericht hier und/oder auch auf tech-test.de darüber berichten – allerdings benötigen wir dazu noch etwas Zeit
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Bis zum nächsten Mal
Micha
Wer was dazu gesagt hat