
Auch in den Seiten des World Wide Webs und der fast immer abrufbaren Informationsflut aus dem Internet kann und will ich häufig nicht auf „das gedruckte Wort“ verzichten. Gerade wenn es um so komplexe Dinge wie die Betreuung und Verwaltung der Windows-Server-Systeme geht, haben meiner Meinung nach viele Sytemverwalter genau wie ich gerne ein Nachschlagewerk zur Hand: Hier ein gutes Beispiel für ein derartiges Werk, das sehr schnell zu meiner “Server-Bibel” geworden ist.
Wer bisher noch nicht glauben konnte, dass Microsoft mit dem aktuellen Betriebssystem Windows Server 2008 ein „gewichtiges“ Stück Software auf den Markt gebracht hat, wird dann vielleicht beim Anblick des aktuellen Buches von Eric Tierling überzeugt sein: Mit über 1300 Seiten (zählt man das umfangreiche Stichwortverzeichnis nicht mit) stellt das unter der schlichten Bezeichnung „Windows Server 2008“ bei Addison Wesley in der Reihe net.com erschienene Buch ein echtes Schwergewicht dar.
Der vielen Windows-Profis sicher wohlbekannte Fachautor Eric Tierling hat sich mit diesem Werk auch eine Menge vorgenommen, soll es doch den „erfolgreichen Einsatz von Windows Server 2008 mit verständlichen Beispielen und zahlreichen Praxistipps unterstützen“. Wir haben uns dieses Werk auf diesen Anspruch hin einmal genau angeschaut.
In seinem Vorwort betont der Autor, dass jedes neue Windows-Serversystem, das von Microsoft auf den Markt gebracht wird, dabei dem Administrator eine ganze Reihe an technischen Neuheiten zur Verfügung stellt. Folgerichtig betitelt er den ersten von sieben großen Teilen, die das insgesamt 31 Kapitel umfassende Buch aufgliedern, mit der Überschrift „Auf Tuchfühlung mit Windows Server 2008“. Im ersten Kapitel befasst er sich dann mit den besonderen Merkmalen, die dieses Microsoft Betriebssystem von seinen Vorgängern unterscheidet.
Den Praktiker erkennt man bereits in diesem ersten Kapitel daran, dass bei der „Vorstellung des Windows-Servers“ also dem Server Core, ein deutlicher Warnhinweis (hierfür werden im Buch spezielle Icons verwendet) erfolgt, der dem Administrator erläutert, dass es nach der Installation des Servers in der Core-Version ohne eine komplette Neuinstallation nicht möglich ist, zu einer vollständigen Windows-Version zurückzukehren.
Nach diesem einleitenden Überblick widmet sich je ein Kapitel der Schritt-für-Schritt Neuinstallation und der Aktualisierung auf Windows Server 2008. Dabei ist logischerweise das Kapitel zur Neuinstallation deutlich umfangreicher ausgefallen. Wie auch die folgenden Abschnitte werden die Erläuterungen und Beschreibungen in diesen Kapiteln mit vielen Screenshots unterstützt, auf denen die entsprechenden Einstellungen dargestellt werden. An dieser Stelle ist jedoch ein Wort der Kritik angebracht, das sich nicht an den Autor sondern an den Verlag Addison-Wesley richtet: Es ist unbestritten, dass gerade die Produktion solch umfangreichen Werke nicht kostengünstig ist: Wenn ich aber als Leser fast 60 Euro für ein Buch ausgebe, das dann durch Bilder in Schwarzweiß den Eintrag eines Flyers erweckt, dann bin ich sicher nicht begeistert. Zumal gerade bei modernen Betriebssystem-Oberfläche die Farbe nicht nur die Funktion hat, den Administrator durch ihre Vielfalt zu erfreuen, sondern auf diese Weise häufig für den Anwender wichtige Informationen transportiert werden.
Weitere Kapitel des ersten Teil stellen den Server-Manager als wichtigstes Werkzeug des Administrators vor, lassen aber auch andere Werkzeuge wie entsprechende MMC-Snapins, die Kommandozeilen-Tools sowie die PowerShell nicht außen vor. Besonders gefallen hat mir dabei das Kapitel 4, das der Autor mit „Abrundung der Installation und erste Schritte“ überschrieben hat: Tierling erläutert darin beispielsweise auch die Unterschiede, die sich bei diesem Betriebssystem schon an der Oberfläche durch die gemeinsame Codebasis mit Windows Vista ergeben und bei einem Administrator, der bisher nur mit traditionellen Windows-Servern arbeitete, schon mal für Überraschungen sorgen können. Auch die Grundlagen des 64-Bit-Computing und der grundsätzliche Einsatz von 32-Bit x86-Anwendungen auf diesen Systemen werden bis hin zur dabei notwendigen Registry-Umlenkung werden detailliert vorgestellt und erläutert.
Der zweite Teil des Buches stellt in vier Kapitel die Arbeit im Netzwerk mit dem aktuellen Windows-Server vor und geht dabei neben den Grundlagen zur Konfiguration, Diagnose und Überwachung auch auf die Standardproblematiken in diesem Bereich ein, und schildert Betrieb und Wartung der DHCP-, DNS- und WINS-Server. Weitaus umfangreicher ist dann der nächste Abschnitt, der sich in fünf Kapitel dem Active Directory Domänendienst und damit auch den Änderungen widmet, mit denen sich der Administrator bei dieser wichtigen Funktion des Windows-Servers unbedingt befassen muss. Obwohl sich dieses Buch sicher nicht an „Server-Einsteiger“ richtet, ist es sicher richtig vom Autor, diesen Abschnitt mit einer kurzen Einführung in den Verzeichnisdienst zu beginnen, um so auch gleich die Neuerungen bei Windows Server 2008 im richtigen Zusammenhang vorzustellen. Nach einem Kapitel zur Planung der AD-Struktur geht es zur Einrichtung und Konfiguration. In diesem Abschnitt hat es mir gut gefallen, dass sich der Autor in einem, wenn auch relativ kurzem Kapitel, mit der Problematik der Einbindung von Windows Server 2008 in bestehende AD-Gesamtstrukturen und den vorbereitenden Maßnahmen befasst, die der Administrator für diese sicher nicht leichte Aufgabe durchführen sollte.
Der daran anschließende vierte Abschnitt des Buches behandelt dann die Gruppenrichtlinien bevor sich der Autor im fünften umfangreichen Abschnitt mit den Sicherheitsmerkmalen des Windows Servers befasst. Neben den grundlegenden Sicherheitskonzepten, der Zugriffssicherheit und der für viele Administratoren sicher noch ziemlich neuen Laufwerkverschlüsselungslösung Bitlocker geht das Werk dann im Kapitel 22 ausführlich auf das Thema Netzwerkzugriffsschutz (NAP – Network Access Protection) ein. Ich habe bisher noch in keinem anderen Werk eine derart umfangreiche Beschreibung des Einsatzes dieser neuen Technik gefunden, die auch für viele erfahrene Administratoren noch neu sein dürfte.
Der sechste Abschnitt des Buches diskutiert die bekannten File- und Print-Diensten und ihre Ausprägung unter diesem Betriebssystem. Auch hier zeigt Tierling ein weiteres Mal seine Verbundenheit mit der Praxis, in der ein ganzes Kapitel dem alten und wohl bekannten Thema des Druckens über das Netzwerk widmet: Jeder Systemverwalter wird bestätigen, wie aktuell diese Thematik auch heute noch im täglichen Betrieb ist.
Der letzte Abschnitt zeigt schließlich die Möglichkeiten und Fähigkeiten der Virtualisierungslösungen, die Microsoft mit diesem Windows-Server zur Verfügung stellt: Ein Kapitel behandelt die Servervirtualisierung mit Hyper-V, wobei der Autor sich dabei ausdrücklich auf die in der x64-Version des Servers zur Verfügung stehende Rolle „Hyper-V“ beschränkt und nicht die Standalone-Version von Hyper-V behandelt. Ein zweites ausführlicheres Kapitel in diesem Abschnitt behandelt dann die so genannte Präsentationsvirtualisierung, also alle Neuerung, die diese Software bei den Terminaldiensten zur Verfügung stellt. Das abschließende Kapitel des gesamten Werkes befasst sich mit dem Windows-Systemressourcen-Manager, was zunächst verwundert, weil auch dieses Kapitel unter der großen Überschrift Virtualisierung fällt. Doch Tierling hat sein Buch logisch aufgebaut und führt hier zu Recht an, dass Applikationsserver wie der zuvor beschriebene Terminalserver unbedingt zuverlässig arbeiten müssen, sodass hier der unter Windows Server 2008 als Feature realisierte WSRM (Windows-Systemressourcenmanager) einen sinnvollen Abschluss der „Tour“ durch das Betriebssystem und seine Fähigkeiten darstellt.
Abgerundet wird das Buch durch ein sehr umfangreiches und bei dem Umfang dieses Werkes unerlässliches Stichwortverzeichnis sowie zwei DVDs mit einer 120 Tage arbeitenden Testversion des Windows Servers 2008. Trotz der Ausführlichkeit dieser Rezension kann ich hier nur einen Überblick über all die Themen geben, die der Autor in gut lesbarer und nachvollziehbarer Form in seinem Buch zusammengefasst hat. Für alle Systemverwalter und Administratoren, die irgendwann einen Windows Server 2008 in ihr Netzwerk integrieren wollen oder dies schon haben, eine definitive Empfehlung.
Wer was dazu gesagt hat